Dienstag, 23. Juni 2015

Begegnungen...

Als ich mir heute beim Bäcker eine Semmel holte, fühlte ich mich beobachtet.
Ich bemerkte einen Mann, der in einer Ecke an einem Tisch saß und mich ziemlich unverholen anstarrte.

Er hatte einen ziemlich dicken Bauch, eine Glatze, trug ein weißes Synthetikhemd und eine schreckliche Krawatte dazu. Vermutlich Ende 40 / Anfang 50. Schwer zu schätzen.
Sein Handy steckte in seiner Hemdtasche, ein Sakko hatte er keines.
Er schien mir recht nervös oder angespannt zu sein. Kein glücklicher Mensch dachte ich. Steht ziemlich unter Druck, dachte ich, Vertreter vermutlich. Immer genötigt einen Abschluss zu tätigen, dass am Ende des Monats genug Geld für die Miete da ist.
Er war mir nicht sonderlich sympathisch, wie er so da saß.
Etwas fahrig, mit nervösen Augen und Schweißtropfen auf der Stirn und seinem Blick. Er wendete seinen Blick schnell ab, als er bemerkte, dass ich es bemerkt hatte.

Während ich bedient wurde ist er anscheinend aufgestanden um zu gehen..
Als ich den Bäcker verließ, sah ich ihn in einen alten silbernen Ford einsteigen.

Aha, dachte ich: V*rw*rk-Vertreter oder irgendwelche Haarpflegemittel oder so was!

Und plötzlich tat er mir leid.

Ein Mensch, der seine Träume hatte, sich vermutlich zeit seines Lebens abschuftete und doch nie seinen Träumen näher gekommen ist.

Ja, er tat mir leid.
Furchtbar leid.

Dann war ich etwas erstaunt, zu welchem Schluss man kommt, wenn man einen kurzen Augenblick einen Menschen betrachtet und welche Lebensgeschichte man sich schnell zusammenspinnt.

Ich wüsste gerne was von meiner Einschätzung wirklich stimmt.

Kommentare:

  1. Manchmal täuscht das Äußere eines Menschen aber auch. Vielleicht hat dieser Mann Dich deshalb so angestarrt, weil Dein Anblick vermutlich das einzig Schöne seines Tagesablaufs sein sollte. Wer weiß?...

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    1. Ja, das Äußere täuscht oft, da hast du recht, Frau Sturmtänzerin.
      Aber bei einem bin ich mir ziemlich sicher: Der Mann war/ist nicht glücklich.
      Ein glücklicher Mensch sieht anders aus.
      Vielleicht ist er kein Vertreter und vielleicht geht er einem anderen Job nach. Ich denke aber, dass er ziemlich sicher im Verkauf arbeitet. Das schließe ich aus seiner Kleidung.

      Ich habe mich irgendwie fast geschämt, dass ich ihn unsympathisch fand. Andererseits hat er mich auch so unverhohlen angestarrt, dass es mir unangenehm war. Das gehört sich auch nicht.

      Wenn mein Anblick das einzig schöne an seinem Tagesablauf ist, dann tut er mir doppelt leid ;-)

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  2. "So ein Mist. Ist mein Mercedes nicht angesprungen, muss ich den Mistkarren der Tochter nehmen. Dann hat sich auch noch die Sitzung im Vorstand verschoben, jetzt sitze ich hier im brütend heißen Bäcker und die da vorne an der Theke hält mich sicher für einen Vorwerk-Vertreter. Und das, weil die Frau seit zwei Wochen mit den Rotary-Damen Gutes tut und niemand meine Hemden und Krawatten wäscht. Was solls, ich geh´ dann mal los, wenigstens hat das Auto eine Klimaanlage. Scheiß Tag."

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    1. ;-)

      Schöne Geschichte, aber das Hemd war ein billiges Polyestherhemd. Glatt wie ein Babypopo, die Krawatte ebenso billig und wenig geschmackvoller, als eine mit Comicmotiv. Der Gesichtsausdruck gehetzt und unsicher. Nein, ich glaube der hat keinen Mercedes ;-)

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  3. du hast einen "gesselschaftszombie" gesehen, nichts neues im westen!

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  4. einen zivilisierten mennschen!

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  5. Sowas mach ich auch gerne. Mir Lebensläufe zusammendenken. Und mich würd's auch oft interessieren, wieviel davon stimmt ;-)

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    1. Wäre spannend, gell?

      Ich befürchte, dass man das meist nie erfährt...

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